Oberfränkische Landräte zur Zukunft der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum

Die Sicherstellung einer wohnortnahen und qualitativ hochwertigen Gesundheitsversorgung ist zentral für die oberfränkischen Landkreise. Im Austausch mit fachlichen Vertretern aus dem Gesundheitswesen heben die oberfränkischen Landräte anlässlich ihrer Sitzung in Ködnitz (Landkreis Kulmbach) mehrere Maßnahmen hervor:
1. Nachwuchs aus Oberfranken für Oberfranken
Angesichts eines Durchschnittsalters von gut 54 Jahren in der oberfränkischen Ärzteschaft – regional und fachlich teils sogar höher – besteht Bedarf an Nachwuchs. Im Januar 2026 wurden die ersten 23 Absolventinnen und Absolventen am Medizincampus Oberfranken verabschiedet. Diese waren im Wintersemester 2019/2020 als erster Jahrgang des neuen Studiengangs „Humanmedizin Erlangen/Bayreuth“ als innovative Kooperation zwischen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), der Klinikum Bayreuth GmbH, dem Universitätsklinikum Erlangen, den Gesundheitseinrichtungen des Bezirks Oberfranken und der Universität Bayreuth gestartet.
Dr. Reiner Hofmann, Leiter der Projektgeschäftsstelle der Universität Bayreuth für den Medizincampus Oberfranken, und Claudia Fleischmann, Koordinatorin der Universität Bayreuth für den Medizincampus Oberfranken, berichten, dass künftig mit jährlich ca. 100 Absolventinnen und Absolventen zu rechnen sei.
2. Studierende durch Weiterbildungsmöglichkeiten langfristig für die Region gewinnen
Auf dieser Basis setzen sich die oberfränkischen Landräte als nächsten Umsetzungsschritt dafür ein, dass Absolventinnen und Absolventen in der Region ins Berufsleben starten und sich weiterqualifizieren können – unter anderem durch genügend Assistenzarzt- und Weiterbildungsstellen.
„Durch den Medizincampus Oberfranken können junge Menschen erstmals auch in Oberfranken Medizin studieren. Nun gilt es, diese Nachwuchskräfte in unserer Region zu halten. Wir freuen uns, dass von den Landkreisen angebotene Stipendienprogramme angenommen werden und erste Absolventinnen und Absolventen in unseren Landkreisen inzwischen am Patienten arbeiten. Jetzt bedarf es weiterer Schritte – wesentlich sind Weiterbildungsmöglichkeiten vor Ort“, unterstreicht Bezirksverbandsvorsitzender und Landrat Dr. Oliver Bär.
3. Neue Formen der Versorgung
Darüber hinaus unterstützen die oberfränkischen Landräte neue Versorgungsmodelle, auch unter Einbeziehung von Telemedizin und Künstlicher Intelligenz. Sie sind sich einig: „Der Schlüssel zum Erfolg liegt im Zusammenspiel verschiedener innovativer Ansätze.“
Bayernweit werde die Zahl an Ärztinnen und Ärzten in den kommenden Jahren weiter ansteigen, wie Frau Dr. Petra Reis-Berkowicz, Vorsitzende der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) sowie Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) und selbst Hausärztin in Gefrees, aus erster Hand berichtet. Da immer mehr Ärztinnen und Ärzte in Teilzeit arbeiteten, müsse die ärztliche Versorgung gleichwohl auf mehrere Schultern verteilt werden. „Weiterqualifizierte Medizinische Fachangestellte, sogenannte Versorgungsassistentinnen und -assistenten in der Hausarztpraxis, können bei Hausbesuchen oder Wunddokumentationen unterstützend fungieren und im Einzelfall übernehmen“, so Dr. Petra Reis-Berkowicz. Der Ansatz des HÄPPI-Konzeptes (Hausärztliches Primärversorgungszentrum – Patientenversorgung interprofessionell) setze verstärkt auf den Teamgedanken zwischen akademischen und nicht-akademischen Gesundheitsberufen unter der Verantwortung und Leitung der Hausärztinnen und Hausärzte.
Aus dem Bereich der Rehabilitation stellt Dr. Eckard Krüger, Geschäftsführer der MoRe-Life GmbH, sein Konzept der mobilen geriatrischen Reha vor. Menschen im höheren Alter können auf diese Art und Weise Rehabilitationsmaßnahmen statt eines Klinikaufenthalts im gewohnten häuslichen Umfeld in Anspruch nehmen. In verschiedenen Lebenssituationen könne das für die Betroffenen und Angehörigen eine spürbare Entlastung bedeuten.

Foto: Björn Karnstädt“
