6. August 2026
Drittes Waldsymposium der Landkreise Hof und Wunsiedel i.F.

Zum bereits dritten Symposium „Zukunft unserer Waldregion“, kurz „Waldsymposium“, hatten die Landkreise Hof und Wunsiedel i.F. in Zusammenarbeit mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bayreuth-Münchberg (AELF) eingeladen. Im Mittelpunkt des Vernetzungstreffens, das fachübergreifend die wesentlichen Akteure zu Thema Wald zusammenbringt, stand diesmal die Frage, wie unsere Region den Herausforderungen des Waldumbaus sowie den Folgen großflächiger Schad- und Kahlflächen begegnen kann. Dazu sprachen der Leiter des AELF Bayreuth-Münchberg, Dr. Christian Schmidt, und der Landschaftsökologe Prof. Dr. Hans Jürgen Böhmer.
Die Gastgeber Landrat Peter Berek und Landrat Dr. Oliver Bär begrüßten die Gäste im Sitzungssaal des Wunsiedler Landratsamtes. Landrat Berek dankte seinem Hofer Amtskollegen für die Initiative, das gemeinsame Format 2025 ins Leben zu rufen, und betonte das Potenzial der Region, entscheidende Aufgaben voranzubringen: „Denken wir an den Beitrag, den wir als ländliche Regionen leisten können. Denken wir an erneuerbare Energien, an Klimaschutz, an Erholung – das können die Metropolen nicht. Sprechen wir darüber, was für eine wichtige Arbeit wir leisten, für das gesamte Bayern und darüber hinaus.“ Zurückblickend auf die vorangegangenen Waldsymposien rief Landrat Dr. Bär die gemeinsam erarbeiteten Handlungsfelder ‚Vier Säulen der Zukunft unserer Waldregion‘ in Erinnerung: Infrastruktur, Jagd, Waldumbau und Öffentlichkeitsarbeit. „Unsere Wälder prägen die Region in vielfältiger Weise. Sie sind zugleich Wirtschaftsfaktor, Lebens-, Erholungs- und Schutzraum sowie Teil unserer Kulturlandschaft“, so Dr. Bär. „Zwei Waldsymposien haben 2025 eine Plattform des Austauschs und der Vernetzung geschaffen, auf die wir aufbauen. Wir versammeln die wichtigsten Akteure, um gemeinsam Strategien für einen widerstandsfähigen Wald zu entwickeln.“ Das Waldsymposium bringt Waldbesitzer, Jägerschaft, Forstunternehmen, Naturschutzverbände, Behörden, Naturparke und Tourismusverbänden zusammen.
Förderung des Waldumbaus für einen artenreichen Wald
Auch Dr. Christian Schmidt, Leiter des AELF Bayreuth-Münchberg, dankte dem Teilnehmerkreis für die kontinuierliche Mitwirkung und zeigte sich beeindruckt vom großen fachübergreifenden Engagement des Symposiums. In seinem Vortrag gab er einen Überblick über die bestehende finanzielle Förderung waldbaulicher Maßnahmen und informierte über Voraussetzungen und Ablauf der Antragstellung. Die Förderungszwecke, für die in Bayern eine Unterstützung möglich ist, sind mannigfaltig und reichen von der (Wieder-)Aufforstung, über Bewässerung, Bodenschutz, Bestandspflege, Anbauversuche, Bekämpfung von Rindenbrütern und der Erstellung von Forstbetriebsgutachten bis hin zu Mitteln für Saat und den Erhalt der Naturverjüngung. Mit den geförderten Maßnahmen werde in Bayern das Ziel verfolgt, einen artenreichen, strukturierten Wald zu schaffen, so Dr. Schmidt. Als Hilfestellung steht zudem zahlreiches Info- und Schulungsmaterial zur Durchführung von Maßnahmen online im bayerischen Waldbesitzer-Portal zur Verfügung.
„Es gibt kein anderes Bundesland, das sich den Waldumbau so viel kosten lässt, wie der Freistaat Bayern“, fasste Dr. Schmidt zusammen. Mit Stand Anfang Juni sei bereits die „überwältigende“ Anzahl von 1.039 Anträge eingegangen, was einem Plus von 50 Prozent entspricht. Den weitaus größten Anteil nehmen dabei Maßnahmen zur Wiederaufforstung ein. Im Ausblick auf das Jahr 2027 nannte der Behördenleiter Maßnahmen hinsichtlich der steigenden Waldbrandgefahr als einen Schwerpunkt.
Impulsvortrag: Erfahrung vor Theorie
Als Key Note Speaker sprach der Klimafolgenforscher und Buchautor Professor Dr. Hans Jürgen Böhmer zum Thema „Wald im Wandel – Möglichkeiten und Grenzen des Umgangs mit Schadflächen unter unsicheren Bedingungen“. Der gebürtige Pegnitzer forscht und berät deutschland- und weltweit als Vegetations- und Landschaftsökologe. In Vorbereitung auf seinen Impulsvortrag hatte er Schadflächen in Hochfranken besucht. Der Vortrag gab Denkanstöße zu Ursachen und Folgen von Phänomenen wie Waldsterben, Extremwetter und Klimawandel und zeigte unterschiedliche Zukunftsszenarien auf. Professor Böhmer diskutierte zudem Möglichkeiten und Grenzen der klimatischen Anpassung unserer Wälder sowie mögliche Wege, Wälder widerstandsfähig zu machen, etwa durch das Ausschöpfen des Potenzials einheimischer Arten, natürliche Einwanderung von gebietsfremden Arten oder deren gezielte Ansiedelung. Er verfolgt den Ansatz, dass detaillierte Ortskenntnis und langfristige Beobachtung für konkrete Waldflächen häufig aussagekräftiger sind als theoretische Vorhersagemodelle. Wälder versteht Böhmer als im Wandel befindliche Systeme, die durch natürliche Einflüsse und Störungen geprägt werden. Entsprechend seiner Maxime ‚Weniger Modellrechnung, mehr reale Lebenswelt‘ betonte er: „Niemand kennt das eigene Revier so gut wie die Waldbesitzer“, und warb dafür, auf die eigene Erfahrung und Beobachtung zu bauen und diesen Erfahrungsschatz so oft wie nur möglich mit anderen auszutauschen.
Appell an die Verantwortung aller Waldbesitzer
Abschließend folgte eine rege offene Diskussion über die Herausforderungen und Möglichkeiten vor Ort, bei der die anwesenden Waldbesitzerinnen und -besitzer auch ihre auf den eigenen Flächen gesammelten Erfahrungen austauschten. Einhellig war dabei der Appell an die Verantwortung aller Waldbesitzer: „Wir sollten uns um die Wälder unserer Heimat kümmern.“ Gerade die Beziehung auch von kleineren Waldbesitzern zu ihrem Eigentum und ihre aktive Mitwirkung sei wesentlich für den Erfolg des Waldumbaus. Als Herausforderung wurde jedoch gesehen, dass bei vielen kleinen, vererbten Waldflächen der Region die Eigentümer oftmals nicht mehr ortsansässig sind und keinen persönlichen Bezug zu ihrem Wald haben. Umso wichtiger sei es daher, konsequent Aufklärungs- und Informationsarbeit zu leisten.
Gemeinsame Arbeit für die Waldzukunft geht weiter
In ihrem Fazit und Ausblick betonen die beiden Landräte Berek und Bär: „Das dritte Waldsymposium hat erneut gezeigt, wie wichtig der offene Austausch über den Waldumbau in der Region Fichtelgebirge-Frankenwald ist. Denn nur, wenn wir unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen, können wir tragfähige Lösungen für die Zukunft unseres Waldes entwickeln. Vernetzend, informativ und diskussionsfreudig – genau das zeichnet dieses Format aus. Deshalb setzen wir den erfolgreichen Weg konsequent fort.“
Das Waldsymposium
Das 2025 begründete Symposium „Zukunft unserer Waldregion“ bringt erstmals Akteure aus Forstwirtschaft, Naturschutz, Jagd, Wissenschaft, Politik, Behörden, Tourismus und Waldbesitz an einen Tisch, um gemeinsam Lösungen zu erarbeiten. Im Mittelpunkt stehen der Austausch unterschiedlicher Perspektiven und die Entwicklung konkreter, regionaler Strategien. Daraus soll ein langfristiges Netzwerk entstehen, das den Waldumbau in der Region dauerhaft begleitet. Ziel ist es, die vielfältigen Funktionen des Waldes – etwa für Klima, Biodiversität, Trinkwasser, Erholung und Holzversorgung – auch für kommende Generationen zu sichern.









