5. Mai 2022

Biodiversität auf Serpentinit: Neue Erkenntnisse durch Falterkartierungen des LPV

Die Schmetterlingskartierungen im Biodiversitätsprojekt „Lebende Extreme auf blauem Fels“ des Landschaftspflegeverbands Landkreis und Stadt Hof e. V. (LPV) geben neue Einblicke in die Artenzusammensetzung der Serpentinitflächen in Hof und Kulmbach. Die Standorte dienen als Refugien für seltene und gefährdete Falter, aber auch für Arten, die sich aufgrund des Klimawandels bei uns ansiedeln.

Im Rahmen des Biodiversitätsprojekts „Lebende Extreme auf blauem Fels“ erfolgten im letzten Jahr Kartierungen von Tag- und Nachtfaltern an zahlreichen Untersuchungsflächen auf Serpentinit-Gestein. Dabei wurde im FFH-Gebiet Woja- und Haidleite das wärmeliebende Purpur-Zwergeulchen nachgewiesen. Laut den Falterspezialisten breitet sich die Art in Deutschland aufgrund des Klimawandels stark aus und wurde in diesem Bereich erstmals mit zahlreichen Individuen nachgewiesen. Die Art scheint an der sonnenexponierten Felswand der Wojaleite auf optimale Entwicklungsbedingungen gestoßen zu sein.

Insgesamt wiesen die Untersuchungsflächen ein nur mäßiges Artenspektrum mit u.a. 42 Tagfalterarten auf, was auf einen generellen Rückgang hindeutet und derzeit laut Falterspezialisten überall beobachtet wird. Nichtsdestotrotz konnten aber auch einige wertgebende und seltene Falterarten festgestellt werden. So wurden an Blättern des Kleinen Sauerampfers Eier des stark gefährdeten Violetten Feuerfalters gefunden. Dieser ist in Deutschland stark zurückgegangen, sodass man ihn in Bayern nur noch lokal in Mittelgebirgen mit saurem Grundgestein findet. „Erfreulicherweise war die Art im Projektgebiet aufgrund und der vorhandenen Offenstellen auf Serpentinit noch häufig nachweisbar. Die teilweise licht mit Kiefern bewachsenen und felsigen Strukturen können bei einer entsprechenden Pflege für Schmetterlingsarten wichtige Refugien darstellen“, berichtet die Projektleiterin Isabel Kaske vom LPV.

Das seltene Serpentinit-Gestein tritt in den Landkreisen Hof und Kulmbach kleinflächig zutage und gehört zu den großen geologischen Besonderheiten in Bayern. Diese Standorte beherbergen eine besondere Pflanzengesellschaft. Grund dafür ist der natürliche Schwermetallgehalt des Gesteins mit u.a. Nickel und Chrom. Am Haidberg bei Zell ist das Gestein sogar magnetisch. Spezielle Pflanzen haben sich an diese Standorte angepasst und finden sich teilweise sogar ausschließlich dort. Beispielsweise gedeiht die Serpentin-Grasnelke weltweit nur an der Woja- und Haidleite.

Um der besonderen Verantwortung für den Schutz und Erhalt der Flächen gerecht zu werden, ist es Ziel des Projekts, die offenen Felsstandorte mit deren charakteristischen Pflanzen zu erhalten und wiederherzustellen. Um Details zum Arteninventar, Zustand und Pflegebedarf der Flächen festzustellen, wurden im ersten Projektjahr Werkverträge an Fachbüros vergeben. Die Artenspezialisten erarbeiteten in ihren Schlussberichten verschiedene Vorschläge zur Verbesserung der Standorte. Den Beeinträchtigungen soll durch Pflegemaßnahmen entgegengewirkt werden.

Das knapp zwei Jahre laufenden Projekt wird von der Regierung von Oberfranken mit Mitteln des Bayerischen Ministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz gefördert und endet vorerst im Dezember 2022.

Bei Fragen und Anregungen ist der Landschaftspflegeverband unter [email protected] oder 09281 57 319 erreichbar.

Veranstaltungshinweis: In den kommenden Monaten sind geführte öffentliche Exkursionen auf verschiedenen Serpentinitflächen geplant. Unter anderem findet am 30.05.2022 abends eine geführte Tour an der Wojaleite statt. Eine Anmeldung beim LPV ist notwendig. Infos und aktuelle Meldungen zum Projekt finden Sie auf der Internetseite des Landschaftspflegeverbands unter www.lpv-hof.de oder im Informations-Flyer.

Serpentinit-Felswand an der Wojaleite mit blühender Pfingstnelke und Scharfem Mauerpfeffer (Foto: LPV Hof, 2021)

Serpentinit-Felswand an der Wojaleite mit blühender Pfingstnelke und Scharfem Mauerpfeffer (Foto: LPV Hof, 2021)

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5. Mai 2022