20. Mai 2019

30 Jahre Grünes Band

Zum Auftakt des diesjährigen Jubiläumsjahres „30 Jahre Grünes Band Deutschland – 30 Jahre Öffnung des Eisernen Vorhangs“ trafen sich im Dreiländereck nahe des oberfränkischen Hof vier Minister*innen von Bayern, Sachsen, Thüringen und der Tschechischen Republik. Bis 1989 waren Deutschland und Europa durch eine unmenschliche Grenze getrennt. Das Grüne Band – der einzigartige Lebensraumverbund, der sich im Schatten des Eisernen Vorhangs durch ganz Europa entwickelte – steht heute sinnbildlich für eine länderübergreifende, friedliche Zusammenarbeit. Es ist eine Schatzkammer der Artenvielfalt. Im Dreiländereck kooperieren seit langem Verbände und Behörden grenzüberschreitend u.a. für den Schutz gefährdeter Arten wie Goldener Scheckenfalter, Flussperlmuschel und Arnika. 

Aufgrund der für Jahrzehnte eingeschränkten Nutzung entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs und der dadurch heute noch ausgedehnten naturnahen Bereiche bildet das Grüne Band eine der wichtigsten transnationalen Biotopverbundachsen innerhalb Europas und Deutschlands. Bayern verwirklicht zusammen mit Tschechien bereits lange grenzübergreifende Aktivitäten für den Naturschutz. Das Interreg-Projekt „Aufbau nachhaltiger Jungmuschelbestände in NATURA 2000 Gebieten im Grünen Band Bayern-Tschechien zum Schutz der Flussperlmuschel“ des BUND Naturschutz und der tschechischen Naturschutzagentur AOPK ist hierfür ein gutes Beispiel. „Aus Vergangenheit wird Zukunft: Aus einem düsteren Kapital der Geschichte hat sich ein einzigartiges Refugium für bedrohte Tier- und Pflanzenarten entwickelt. Das Grüne Band ist für uns ein Ort der Erinnerung und der Hoffnung zugleich. Es bietet eine einmalige Chance für den Erhalt der biologischen Vielfalt in Europa", betonte Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber.

„Das Dreiländereck als Übergang von innerdeutschem Grünen Band zum Grünen Band Europa hat eine herausgehobene Bedeutung mit Blick auf Flora und Fauna. Ich möchte hierbei auch das Engagement der anliegenden Kommunen betonen, die sich für den grenzübergreifenden Austausch auf zahlreichen Ebenen stark machen und zeigen, wie ein gemeinsames Europa funktioniert“, so Dr. Oliver Bär, Landrat des Landkreises Hof.

Der sächsische Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft Thomas Schmidt unterstrich: „Sachsen hat bereits sehr früh seine Verantwortung für das Grüne Band wahrgenommen und seinen 42 Kilometer langen Abschnitt bereits im Jahr 1996 komplett unter Schutz gestellt. Parallel wurden Handlungskonzepte aufgestellt und umgesetzt, um den Lebensraumverbund aktiv zu verbreitern und dessen Naturschätze durch eine nachhaltige Grünlandnutzung zu erhalten.“

Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund verwies auf das im Herbst 2018 auf seiner gesamten Länge von 763 Kilometern als Nationales Naturmonument ausgewiesene Grüne Band Thüringen: „Ich freue mich sehr, dass der Freistaat hiermit eine Vorreiterrolle bei der Weiterentwicklung des Grünen Bandes Deutschland einnimmt. Thüringen setzt damit ein Signal von europäischer Tragweite, um die einmalige Verbindung von Natur und Geschichte des Grünen Bandes auch für künftige Generationen zu bewahren.“

Das Land Sachsen-Anhalt will diesem positiven Beispiel folgen und noch bis Ende des Jahres seinen Anteil am Grünen Band als Nationales Naturmonument ausweisen. Die weiteren Anrainerländer sollten diesem Vorbild folgen – dies wäre ein geeignetes Geschenk zum 30. Geburtstag des Grünen Bandes.

„Trotz der erzielten Erfolge dürfen die Bemühungen zum Schutz und zur Entwicklung des Grünen Bandes als übergreifender Lebensraumverbund nicht nachlassen. Aktuell ist das rund 1.400 Kilometer lange Grüne Band Deutschland auf 170 Kilometer Länge nicht mehr erkennbar, insbesondere durch intensive landwirtschaftliche Nutzung. Das Schließen der Lücken ist eine der großen Herausforderungen für die Zukunft. BfN und BMU unterstützen dieses Ziel durch die Bereitstellung erheblicher Fördermittel“, betonte Dr. Uwe Riecken, Abteilungsleiter im Bundesamt für Naturschutz (BfN) und National Focal Point für das Grüne Band in Deutschland.

Tschechien hat seinen 346 Kilometer langen Teil des Grünen Bandes zu Bayern nicht nur durch den Nationalpark Šumava, sondern auch durch groß- und kleinflächige Landschaftsschutzgebiete wie z.B. Český les oder Smrčí langfristig gesichert. Außer dem Flussperlmuschel-Projekt kann ein anderes Beispiel der sehr gut funktionierenden Zusammenarbeit erwähnt werden. Vladimir Mana, Vizeminister für Staatsverwaltung der Tschechischen Republik verwies auf das aktuell laufende durch die EU, das tschechische Umweltministerium und den Bayerischen Naturschutzfonds geförderte Projekt „LIFE for MIRES“: „Unter Federführung des Nationalparks Šumava arbeiten der Nationalpark Bayerischer Wald, der BUND Naturschutz und die Südböhmische Universität in České Budějovice für den grenzübergreifenden Moor- und Klimaschutz für die nächsten sechs Jahre eng zusammen.“

„Als wir im Dezember 1989 die Aktivitäten zum Schutz der wertvollen Natur entlang der innerdeutschen Grenze unter dem Namen „Grünes Band“ beim ersten Ost-Westdeutschen Naturschutztreffen in Hof als gesamtdeutsches Projekt initiierten, ahnte noch niemand, dass sich daraus diese großartige gesamteuropäische Initiative entwickelt“, so Prof. Hubert Weiger, der Vorsitzende des BUND. „Insbesondere in Zeiten einer zunehmenden Fokussierung der europäischen Staaten auf die jeweils eigenen Vorteile und Interessen auf Kosten der Staatengemeinschaft, wird mit der Initiative zum Grünen Band der europäische, völkerverbindende Gedanke gelebt wie kaum irgendwo sonst“.

Eine der modellhaften, grenzübergreifenden Aktivitäten zum Schutz von gefährdeten Tier- und Pflanzenarten am Grünen Band ist das Projekt „Aurinia“ (Laufzeit 2015 bis 2021) zum Schutz des Goldenen Scheckenfalters im Dreiländereck Bayern-Sachsen-Tschechien, gefördert im Bundesprogramm Biologische Vielfalt. „Die Vorkommen des Goldenen Scheckenfalters sind unser gemeinsames Naturerbe. Nur durch grenzübergreifende Zusammenarbeit können wir ihren Lebensraum langfristig erhalten und entwickeln. Ich freue mich daher außerordentlich, dass wir als BN dies gemeinsam mit dem sächsischen Vogtlandkreis und der tschechischen Naturschutzbehörde AOPK voranbringen können“, so Doris Tropper, stellvertretende Vorsitzende des BUND Naturschutz in Bayern e.V. (BN).

Das Grüne Band ist eine Erinnerungslandschaft an die Überwindung der deutschen und europäischen Teilung. Mit der Nachbildung und dem Aufstellen des Grenzpfahls Nr. 2735, dem südlichsten DDR-Grenzpfahl der ehemaligen innerdeutschen Grenze, im Grünen Band Sachsen, enthüllt durch den Landrat des Vogtlandkreises Rolf Keil und Prof. Hubert Weiger, wird ein Gedenkort an die jüngere Zeitgeschichte geschaffen. Mittels ergänzender Informationen wird die Geschichte der Grenze erfahrbar gemacht. Ein QR-Code verweist auf die Broschüre „Spurensuche am Grünen Band“ (erstellt im Projekt „Lückenschluss Grünes Band“) des BUND und des Grenzlandmuseums Eichsfeld, in der der Aufbau der ehemaligen innerdeutschen Grenze und heute davon noch wahrnehmbare Spuren veranschaulicht werden.

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20. Mai 2019